Modellgestützte Abschätzung der regionalen landwirtschaftlichen Landnutzung und Produktion in Deutschland vor dem Hintergrund der „Gesundheitsüberprüfung“ der GAP

Peter Kreins, Horst Gömann

Published: 08.04.2008  〉 Jahrgang 57 (2008), Heft 3/4  〉 Resort: Article 
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ABSTRACT

Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie einem nachhaltigen Anstieg der Agrarpreise haben sich die Rahmenbedingungen der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland stark verändert. Im Rahmen des „Health Checks“ soll die Gemeinsame Agrarpolitik, die im Rahmen der Luxemburger Beschlüsse nochmals substantiell reformiert wurde, überprüft werden. Vor diesem Hintergrund wurden die bis zum Jahr 2015 erwartbaren regionalen Entwicklungen der Milchproduktion, Rindviehhaltung und landwirtschaftlichen Landnutzung mit Hilfe des Regionalisierten Agrarsektormodells RAUMIS analysiert. Im Hinblick auf ein Auslaufen der Milchquotenregelung wurden Berechnungen zur Anpassungsfähigkeit der Milcherzeugung bei veränderten Marktbedingungen durchgeführt.


Die Bewirtschaftungsintensität auf Ackerflächen nimmt infolge des Agrarpreisanstiegs, des Wegfalls der Flächenstilllegung sowie der Förderung des Anbaus Nachwachsender Rohstoffe grundsätzlich zu. Die steigende Konkurrenzkraft des Marktfruchtbaus beschleunigt die Abwanderung der Milchproduktion aus Ackerbaugebieten in wettbewerbsfähige Grünlandregionen. Demgegenüber bleibt die Milcherzeugung auf weniger wettbewerbsfähigen Grünlandstandorten konstant bzw. wird teilweise reduziert. Zu den Rückzugsregionen gehören nach den Modellergebnissen Mittelgebirgslagen mit hohem Grünlandanteil beispielsweise im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alp, im Hessischen Bergland, in Teilen der Eifel sowie des Hunsrücks.


Im Verlauf des jahrzehntelangen Milchquotenregimes wurde ein beträchtliches Milcherzeugungspotenzial „deaktiviert“, das bei einem Auslaufen der Quotenregelung eine große Rolle spielen könnte. Ausgehend von einem ermittelten „Milchgleichgewichtspreis“, zu dem die Quotenmenge gerade produziert wird, führt ein Preisanstieg um 10 % nach den Modellergebnissen zu einer langfristigen Ausdehnung der Milchanlieferung um rund 6 Mio. t. In den am wenigsten wettbewerbsfähigen Regionen erfolgt dadurch jedoch keine Umkehr des sukzessiven Milchproduktionsabbaus, auch nicht durch die deutlich höheren Direktzahlungsmittel, die im Rahmen der Einführung des Regionalmodells in Grünlandregionen umverteilt werden, da es sich um entkoppelte Zahlungen handelt. Sollte dieser Milchrückgang negative Konsequenzen für andere Sektoren beispielsweise den Tourismus haben, ist zu prüfen, ob in den betroffenen Regionen spezifische Maßnahmen zu entwickeln sind.
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PETER KREINS
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