Institutionenökonomische Überlegungen zur optimalen Bereitstellung und Entlohnung von Umweltattributen in Agrarlandschaften

Christian Lippert

Published: 01.11.1999  〉 Heft 11/1999  〉 Resort: Article 
Submitted: N. A.   〉 Feedback to authors after first review: N. A.   〉 Accepted: N. A.

ABSTRACT

Zusammenfassung:Im vorliegenden Beitrag wird ein neuerer institutionenökonomischer Ansatz auf die Bereitstellung von Umweltgütern in der Agrarlandschaft angewandt. Nach dieser Theorie sind allgemein Sachgüter und Dienstleistungen mit einer Fülle von nutzenstiftenden Attributen (Eigenschaften) behaftet, wobei sich deren "Herstellungskosten" nicht nur aus den Opportunitätskosten der Inputs, sondern auch aus den Transaktionskosten für Definition, Schutz und Durchsetzung der Verfügungsrechte zusammensetzen.Die Rechte an Attributen sind dabei in der Regel nur dann definiert und zugeordnet, wenn die mit der Definition und Garantie dieser Rechte einhergehenden Transaktionskosten den privaten Nutzen, der aus den betreffenden Attributen gezogen werden kann, nicht übersteigen.Die volkswirtschaftlich optimale Verteilung von Rechten an Attributen hängt von deren Beeinflußbarkeit ab. Demjenigen, der ein Attribut am ehesten beeinflussen kann, sollte aus Anreizgründen auch das Recht auf den Residualerlös seiner diesbezüglichen Aktivitäten zufallen. Wegen unterschiedlicher Skaleneffekte und Spezialisierungsgewinnen bei den verschiedenen Attributen ergibt sich häufig "gespaltenes Eigentum" an Sachgütern und Leistungen. Dies trifft, wie anhand einiger Beispiele kurz aufgezeigt wird, insbesondere auf Agrarflächen zu.Im Hinblick auf die effiziente Bereitstellung von Umweltattributen in der Agrarlandschaft werden aus der institutionenökonomischen Theorie die folgenden Thesen abgeleitet:- Eine ergebnisorientierte Entlohnung ist nur bei solchen Attributen möglich, deren Ausprägung zu vertretbaren Kosten gemessen werden kann. So lange dies nicht der Fall ist, den betreffenden Umweltattributen jedoch ein hoher gesellschaftlicher Nutzen zugesprochen wird, ist es besser, zu ihrer "Erzeugung" weiterhin kostendeckende Prämien für bestimmte Handlungen zu gewähren, wobei jedoch Kontrollkosten anfallen.- In Fällen, in denen eine ergebnisorientierte Entlohnung sinnvoll er scheint und zudem Skaleneffekte und Spezialisierungsgewinne auftreten, ist die Einrichtung eines erfolgsabhängig zu entlohnen den "Naturagenten" zur Bereitstellung von Umweltattributen in der Agrarlandschaft zu erwägen. Dieser sollte das Anrecht auf den Residualerlös aus seinen Bemühungen zur Umweltverbesserung und damit einen Gewinnanreiz haben.- Manche Umweltattribute (z.B. Biodiversität) werden von mehreren Akteuren zu etwa gleichen Teilen beeinflußt. Für den Fall, daß die Kontrolle aller beteiligten Akteure ("Naturagent", Landwirte) hohe Kosten verursachen würde, läßt sich die Bereitstellung solcher Attribute am effizientesten durch einen "Naturagenten" mit genossenschaftsähnlichen Strukturen bewerkstelligen, vorausgesetzt, die Mitglieder sind ausreichend motiviert. Die zweitbeste Lösung ist die anteilige Honorierung der unterschiedlichen Akteure.- Bei anderen Umweltattributen (z.B. Landschaftsbild), deren Ausprägung größtenteils von den besonderen Anstrengungen (Know-how oder Sorgfalt) eines Agenten abhängt, der überdies die be nötigten "Inputattribute" (z.B. bestimmte Arbeitsleistungen) zu niedrigen Kosten kontrollieren kann, ist eine erfolgsabhängige Entlohnung dieses "Naturagenten" vorzuziehen.- Die Ausnutzung von v.a. räumlich bedingten Skaleneffekten und von Spezialisierungsgewinnen führt zu "gespaltenem Eigentum" an Agrarflächen, dahingehend, daß Nutzungsrechte an agrarischen Flächenattributen zu den Landwirten, Rechte an umweltbezogenen Attributen hingegen zu einem flächenübergreifend tätigen "Naturagenten" wandern.- Bei der Abwägung, ob die Einrichtung eines "Naturagenten" lohnend ist oder nicht, müssen die anfallenden Transaktionskosten berücksichtigt werden. Darüber hinaus ist zu bedenken, daß auch die Zuteilung der Rechte an Flächenattributen einen Einfluß auf die Bereitstellung von Umweltattributen hat. Die Verhandlungskosten können reduziert werden, wenn die Ausgangsverteilung der Rechte so gewählt wird, daß zur Erreichung des volkswirtschaftlich optimalen Zustands möglichst wenige Tauschaktionen notwendig sind.Zukünftige Agrarumweltprogramme sollten dahingehend überprüft werden, welche Honorierungsform (handlungsorientierte versus ergebnisorientierte Entlohnung einzelner Landwirte oder eines "Naturagenten") beim jeweiligen Stand der "Meß- und Kontrollkosten" die geeignetste ist. Der Beitrag schließt mit einer kleinen Auswahl von Beispielen "Naturagenten" ähnlicher Organisationen.
CONTACT AUTHOR
Dr. agr. Christian Lippert, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Professur für Agrarpolitik und Agrarumweltpolitik, D-06099 Halle (Saale).
Download Cover
SUBSCRIBER CONTENT

RELATED ARTICLES

SHARE THIS ARTICLE

Menü