Der Euro und die künftige Gestalt Europas

Werner Weidenfeld

Published: 01.10.1999  〉 Heft 10/1999  〉 Resort: Article 
Submitted: N. A.   〉 Feedback to authors after first review: N. A.   〉 Accepted: N. A.

ABSTRACT

Zusammenfassung:Die Europäische Union beginnt gerade, sich der neuen europäischen Realität anzunehmen, angefangen von der gemeinsamen Währung bis hin zur Schaffung einer gemeinsamen Verteidigungsidentität. Das integrationspolitische Potential des Euro ist enorm: Die gemeinsame Währung wird der Europäischen Union zu neuer Orientierung verhelfen; die Existenz einer europäischen Solidargemeinschaft wird durch sie evident werden; und der Euro wird langfristig gesehen zur Triebfeder für mehr Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand in Europa beitragen. Um diese Chancen zu nutzen, müssen in Europa die dafür notwendigen Strukturanpassungen nationaler Ordnungssysteme in Angriff genommen sowie auf europäischer Ebene verstärkt in den Bereichen der Wirtschafts- und Finanzpolitik kooperiert werden. Der da durch induzierte Innovations- und Wachstumsschub wird die Integrationsspirale weiter ankurbeln. Dazu bedarf es aber auch einer Neujustierung der weltpolitischen Stellung Europas. Europa wird mit steigendem Einfluß und wirtschaftlicher Größe nicht umherkommen, sich auch politisch als Weltmacht zu begreifen. Dabei wird zu bedenken sein, daß ihr eine neue Dimension der Verantwortung zufallen wird und auch das Verhältnis zu den USA auf eine veränderte partnerschaftliche Grundlage zu stellen sein wird. Wenn es der Europäischen Union gelingt, das Integrationspotential des Euro in diesem Maße konstruktiv zu nutzen, wird das Konzept der Solidargemeinschaft europäische Realität werden. Ob dies der Europäischen Union gelingt, wird jedoch davon abhängen, welche Antwort sie auf die Frage nach dem Leitbild ihrer Finalität finden wird. Die Diskussion darüber ist die eigentliche Existenzfrage Europas.
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Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld, Centrum für angewandte Politikforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München (CAP), Grafingerstraße 2, D-81671 München
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