5 Die Märkte für Schlachtvieh und Fleisch

Friedrich-Wilhelm Probst

Published: 01.01.2001  〉 Heft 1/2000  〉 Resort: Article 
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ABSTRACT

Auch im Jahr 2000 bot die Entwicklung der internationalen Rind-, Kalb- und Büffelfleischerzeugung ein heterogenes Bild: Produktionsdrosselungen in Kanada, in Osteuropa sowie seuchenbedingt in Teilen Südostasiens standen höhere Schlachtungen in einigen Ländern Asiens und in Südamerika gegenüber. Die Welterzeugung wird auf knapp 60 Mill. t geschätzt. Im Jahr 2001 wird ein leichter Rückgang der Schlachtungen auf rd. 300 Mill. Rinder und Büffel erwartet. Nach Überwindung der russischen Wirtschaftkrise und dem Auslaufen von Hilfslieferungen aus EU- und US-amerikanischen Rindfleischvorräten kamen im Laufe des Jahres Handelsabschlüsse Russlands mit den USA, der EU sowie mit Ozeanien zustande, die zum Preisanstieg in diesen Ländern beitrugen. Im Spätherbst beschleunigte sich der saisonale Preisrückgang insbesondere in der EU, als dort die BSE-Diskussion nach positiven Befunden in Frankreich, Spanien, Dänemark und in Deutschland erneut aufflammte und Kaufzurückhaltungen und später Importstopps traditioneller Abnehmer verursachte. Der anfangs belebte internationale Handel mit Lebendvieh und Fleisch dürfte davon mit gewisser Zeitverzögerung beeinflusst werden. Das gesamte Handelsvolumen wird im Jahr 2000 auf rd. 9,25 Mill. t Schlachtgewicht geschätzt.
In der EU-15 zeichnete sich für 2000 bis zum Ausbruch der BSE-Krise zunächst eine steigende Fleischerzeugung vor allem in Italien und im UK ab. Der leicht abnehmende Außenhandel mit Lebendvieh und Fleisch ließ bei eingestellten Interventionskäufen Verbrauchszunahmen vermuten (Frankreich ca. 2,5 %, Österreich und UK 6-7 %). In Deutschland zeigten die Panelerhebungen bis Ende September eine Zunahme der Frischfleischeinkäufe um ca. 4,5 %, andere Berechnungen aber einen marginalen Rückgang des Gesamtverbrauchs. Später wurden starke Einbrüche in den Schlachtungen bekannt, in einzelnen Ländern wöchentliche Abnahmen bis zu 90 %. Unter der Annahme, dass im Dezember nur die Hälfte der sonst üblichen Menge geschlachtet worden ist, vermindern sich Gesamterzeugung und Verbrauch ohne Berücksichtigung der Wirkungen auf den Außenhandel rechnerisch um ca. 5 %.
Die deutschen Jungbullenpreise lagen Anfang des Jahres leicht oberhalb des Vorjahresniveaus, fielen aber im November scharf ab. Die Schlachtkuhpreise stiegen trotz zunehmender Schlachtungen bis Ende August nahezu stetig an, was den verbesserten Absatzbedingungen bestimmter Zuschnitte in Russland zugeschrieben wird. Die saisonale Schwäche zur Weideabtriebszeit wurde im November durch eingestellten Kuhfleischversand nach Frankreich ebenso verschärft wie durch die Bekanntgabe des ersten positiven BSE-Befundes einer deutschen Kuh. Innerhalb von fünf Wochen fielen die Kuhfleischpreise bis 3.12.2000 - bei allerdings geringen Umsätzen - um knapp 30 %. Der starke Rückgang erfasste ebenfalls die Preise für Kalbfleisch und Nutzkälber, die ab Mitte November innerhalb von drei Wochen um 40 % zurück gingen. Eine Einschätzung der Situation auf dem Rindermarkt im Jahr 2001 ist erst dann möglich, wenn Informationen über geplante stabilisierende Marktregelungen auf EU-Ebene vorliegen.
Die Welterzeugung von Schweinefleisch betrug im Jahr 2000 ca. 90,7 Mill. t, 1,5 % mehr als im Vorjahr. Produktionsrückgängen in den USA und in Ost- und Westeuropa, standen stagnierende Schlachtungen in der früheren UdSSR und Japan, aber teilweise deutliche Zunahmen in den übrigen Regionen gegenüber. In 2001 wird aufgrund der wachsenden Weltschweinehaltung mit einer beschleunigten Zunahme der Schlachtungen vor allem in Südostasien, China, der ehemaligen UdSSR, Brasilien und Nordamerika auf insgesamt ca. 1,2 Mrd. Schweine gerechnet. Das gesamte Handelsvolumen ist mit gut 9,1 Mill. t kaum höher gewesen als 1999 und betrug wiederum rd. 10 % der Welterzeugung.
Nach vorläufigen Schätzungen wird die EU-Schweinefleischerzeugung im Jahr 2000 um ca. 2 % auf 17,75 Mill. t zurückgehen. Lediglich in Belgien und Spanien werden Zuwächse erwartet. Die Exporte dürften das hohe Niveau des Vorjahres nicht erreichen, so dass der Verbrauchsrückgang relativ geringer ausfallen wird als die Produktionseinschränkung. Insgesamt zeichnet sich bei höheren Einfuhren (+ 80 000 t), aber um rd. 3,5 % geringeren Exporten (- 1,68 Mill. t) ein Verbrauchsrückgang um ca.1,5 % auf unter 43 kg/Kopf ab. In Deutschland wird mit einem Verbrauch von ca. 56 kg/Kopf gerechnet.
Unter Berücksichtigung der Schweinebestände im Frühjahr und Sommer 2000 zeichnet sich für das letzte Quartal 2000 ein Produktionsrückgang um 1,5 % ab, der sich im ersten Quartal 2001 auf ca. 2,2 % beschleunigen kann. Im folgenden Quartal werden kaum noch sinkende Schlachtungen erwartet, im letzten Halbjahr aber wieder stärkere Einschränkungen. Für das ganze Jahr 2001 deuten sich um knapp 1,5 % geringere Schlachtungen von ca. 17,55 Mill. t und Nettoexporte von ca. 203,3 Mill. Stück an. Das Einfuhrvolumen könnte sich auf rd. 100 000 t erhöhen, das Exportvolumen aber auf rd. 1,5 Mill. t vermindern, womit sich der Verbrauch kaum ändern dürfte. Diese Einschätzung ist jedoch aufgrund der nicht kalkulierbaren BSE-bedingten Nachfrageverlagerung von Rind- auf Schweinefleisch recht unsicher.
Am deutschen Schweinemarkt erholten sich die Preise nach der üblichen Januarschwäche im Zuge des nachlassenden Angebots bis Ende Juni stetig, stabilisierten sich dann unter Schwankungen bis Ende September auf relativ hohem Niveau und stiegen seit Oktober erneut. Derzeit ist die Wirkung der kurzfristig sicher zunehmenden Futterkosten noch nicht zu überblicken, auch nicht das Ausmaß, das von der noch ungeklärten Kostenbewältigung der Schlachtabfallbeseitigung sowie der Preisentwicklung am Eiweißfuttermarkt abhängt. Die Schlachtschweinepreise könnten zunächst hoch bleiben, wobei die Betriebe mit engeren Margen operieren müssen.
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