5 Die Märkte für Schlachtvieh und Fleisch

Friedrich-Wilhelm Probst

Published: 16.01.2002  〉 Heft 2 (von 8) 2002  〉 Resort: Article 
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ABSTRACT

Nur selten sind die internationalen Märkte für rote Fleischarten von Tierkrankheiten so erschüttert worden wie seit dem Winter 2000/01. Hatten die westeuropäischen Länder durch die zahlreichen BSE-Feststellungen unter starkem Konsumverzicht, Handelssperren und kräftigem Preisverfall ohnehin zu leiden, so verschärfte sich die Lage seit Februar durch den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) in England und die Übertragung auf Irland, Frankreich und die Niederlande. Die strikte Verfolgung der Nichtimpfpolitik erforderte Keulungen befallener und verdächtiger Bestände in bisher nicht gekanntem Umfang. In den Sommermonaten wurden MKS-Ausbrüche auch aus Südamerika gemeldet und später BSE-Fälle in Mitteleuropa sowie in Japan, aber auch erneute Schweinepestfälle aus Spanien.Am internationalen Rind- und Kalbfleischmarkt setzten sich die zyklisch reduzierten Schlachtungen in den USA beschleunigt fort, wogegen die Produktion in Mittel- und Südamerika MKS-bedingt nicht einheitlich verlief und in Ozeanien die anfangs hohen Preise größere Schlachtungen und Exporte bewirkten. In Ost- und Westeuropa werden anhaltend rückläufige Schlachtungen beobachtet. Die insgesamt dennoch um knapp 1 % höhere Welterzeugung von rd. 60 Mio. t beruht im wesentlichen auf der nachhaltig zunehmenden Erzeugung in China und Brasilien. Die international gehandelte Rindfleischmenge hat sich vermutlich um knapp 1 % auf rd. 8,28 Mio. t SG reduziert und beträgt weniger als 14 % der Gesamterzeugung. Die Weltrinderhaltung war zu Jahresanfang noch mit knapp 1 % auf ca. 1,360 Mrd. Stück und die Büffelbestände mit rd. 1,5 % auf ca. 167,6 Mio. Stück ausgedehnt worden. Aufgrund der regionalen Schlachtverzögerung wird im Jahr 2002 nur eine marginale Zunahme der Rinder- und Büffelschlachtungen auf rd. 300 Mio. Stück erwartet.In der EU haben sich die Turbulenzen im Winter 2000/2001 verstärkt. Der Preisdruck hielt an, die Einfuhrsperren zahlreicher Länder behinderten den Intrahandel temporär und die Drittlandsexporte insbesondere nach Nordafrika und in den Mittleren Osten auf längere Zeit. Lediglich Russland nahm die Einfuhren bald wieder auf. Bedingt durch den starken Rückgang der Frischfleischeinkäufe bis zu 70 % gerieten die Schlachtungen erneut ins Stocken. Bis Ende Juli wurde von rückläufige Rinderschlachtungen (-9,6 %) und einer abnehmenden Nettoerzeugung von Rind- und Kalbfleisch (-8,4 %) ausgegangen. Der Rückstand kann sich bis Ende September wegen guter Weidebedingungen jedoch noch erhöht haben. Die Gesamterzeugung im Jahr 2001 wird infolge forcierter Schlachtungen und anlaufender Exporte von Lebendvieh in den letzten Monaten um ca. 4 % geringer geschätzt. Die relativ stärksten Einschränkungen sind bis Ende Oktober in den Niederlanden zu beobachten; die Schlachtungen nahmen um 38,6 % ab und die Produktion von Rind- und Kalbfleisch verringerte sich um 33,8 %. Anders als in den meisten Ländern mit hoher Produktion konnte hier der im Frühjahr entstandenen Rückstand nicht abgebaut werden.Die Preise bewegten sich bei den einzelnen Kategorien wie gewöhnlich konträr, allerdings auf erheblich niedrigerem Niveau. Zwar konnten sich die Preise, insbesondere für Jungbullen, vom Tiefpunkt im Winter etwas erholen, das mittlere Niveau war jedoch Ende Oktober für Jungbullen um ca. 12 % und für Kühe um ca. 25 % niedriger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Zur Stützung der schwachen Marktpreise waren bereits im Dezember 2000 Interventionskäufe von Fleisch männlicher Rinder zu allerdings restriktiven Bedingungen offeriert worden. Daher blieben die Marktentnahmen bis Ende November 2001 mit rd. 280 000 t weit geringer als ursprünglich befürchtet. Weiterhin wurde eine Sonderaktion zur unschädlichen Beseitigung von nicht auf BSE getesteten über 30 Monate alten Rindern eingeleitet. In dieser sog. ANKA I nahm Deutschland 88 941 Altrinder aus dem Markt. In ANKA II ist die alternative Verwendung als humanitäre Hilfe möglich. In dieser Aktion nahm Deutschland rd. 28 000 t auf Lager. EU-weit waren es etwa 142 000 t, die zur Vernichtung oder Lagerung zugeschlagen worden sind.Die EU-Rinder- und Kälberbestände waren im Winter 2000/01 um ca. 1,5 % niedriger als im Vorjahr und wurden auch 2001 vom BSE- und MKS-Geschehen beeinflusst. Umfang und Struktur der Sommerbestände von rd. 82,9 Mio. Stück deuten auf einen Kälberanfall von rd. 5,91 Mio. Stück und auf einen Anfall von ca. 21,27 Mio. Großrindern. Allerdings sind die tatsächlich, nicht durch BSE- und andere Keulungen geminderten Schlachtungen nur schwer zu schätzen, ebenso die Entwicklung des politischen Umfelds für die Beseitigung von Altrindern. Die produzierte Menge könnte 2002 wegen der sicher niedrigeren Schlachtgewichte relativ geringer zunehmen als der Rinderanfall. Demgegenüber wird sich der Verbrauch nach Einschätzung der Kommission um ca. 8 % erhöhen.Der Weltschweinemarkt wurde 2001 von zyklisch auslaufender Erzeugung in den USA, schwächeren Zunahmen in Kanada und Mexiko sowie einem deutlichen Anstieg in China und Brasilien geprägt. Die EU-Erzeugung litt unter den MKS-Ausbrüchen, was stark schwankende Preise sowie heftige Störungen des Außenhandels bewirkte. Dennoch nahm die internationale Handelsmenge auf ca. 8,68 Mio. t SG zu, womit der Anteil bei ca. 9,3 % an der um ca. 4 % größeren Gesamterzeugung von rd. 93,2 Mio. t nahezu konstant blieb. Die zu Jahresanfang mit knapp 2 % auf rd. 928 Mio. etwas schneller wachsenden Schweinebestände sind Grundlage für den weiteren Anstieg der Welterzeugung in 2002 in ähnlicher Größenordnung auf etwa 1,22 Mrd. Schlachtungen oder rd. 95 Mio. t Schweinefleisch.Im Winter 2000/01 war die Schlachtentwicklung in der EU zunächst normal, änderte sich aber nach dem MKS-Ausbruch in England und den daraus resultierenden Handelsbeschränkungen abrupt, insbesondere in den direkt betroffenen Gebieten, aber auch in Schweden und in Österreich. Der dadurch entstandene Rückstau konnte in den folgenden Monaten reduziert werden, nicht aber in den Niederlanden und im UK. Die durchschnittlichen Schlachtgewichte erhöhten sich im EU-Mittel bis Juni um mehr als 2 kg; seitdem verringern sich die Differenzen. Der Mengenrückgang wird bis Ende September auf knapp 1 % beziffert. Für das ganze Jahr zeichnet sich aber eine Zunahme um 1 % ab.Die EU-Schweinebestände sind im Winter 2000/02 um ca. 1,3 % auf rd. 122,65 Mio. Stück vermindert worden. Die Entwicklung der Sommerbestände gibt wegen der Spätwirkungen der MKS und der nicht einheitlichen Erhebungszeitpunkte ein sehr heterogenes Bild. Einem stärkerem Aufbau in Dänemark stehen ein mittlerer Abbau in Belgien und in den Niederlanden sowie ein weiterhin kräftiger Rückgang im UK gegenüber. Die unterschiedlichen Bestandsbewegungen lassen einen Zuwachs der Gesamterzeugung um etwa 2 % vermuten. Die erwartete Verbrauchszunahme könnte wegen zunehmender Exporte etwas geringer sein.
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Diplomlandwirt Friedrich-Wilhelm Probst, Institut für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Braunschweig, Bundesallee 50, D-38116 Braunschweig
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