Die Märkte für Schlachtvieh und Fleisch

Friedrich-Wilhelm Probst

Published: 08.01.2003  〉 Heft 1 (von 8) 2003  〉 Resort: Article 
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ABSTRACT

Obwohl der Weltmarkt für Schlachtvieh und Fleisch im Jahr 2002 anfangs noch unter den BSE- und MKS-bedingten Handelsrestriktionen der beiden Vorjahre litt, zeigen sich aufgrund der konsolidierten Viehbestände und der wiederbelebten Nachfrage nach Rindfleisch bei nachlassendem Interesse an Geflügelfleisch insgesamt ausgeprägte Erholungstendenzen. Die in 2001 wegen empfindlicher Konsumeinschränkung und Handelssperren zurückgehaltenen Schlachtrinder drängten 2002 auf die Märkte, insbesondere in Teilen Südamerikas und in Westeuropa, teilweise auch in Russland. Die Zunahmen in Nordamerika und in Ozeanien beruhen dagegen auf dürrebedingt massiven Bestandseingriffen. Die Preise haben sich bei noch zurückgehaltenen Lagerbeständen in der EU-15 insbesondere in Westeuropa vom BSE-Schock weitgehend erholt, gerieten aber in Nordamerika und in Ozeanien wegen der Dürren später unter Druck. Die hierdurch stimulierte internationale Handelsmenge kann um ca. 7 % auf gut 8,55 Mill. t Fleischäquivalent (einschl. Lebendvieh) zugenommen haben und erreichte mit gut 14 % wieder den üblichen Anteil am weltweiten Produktionsvolumen von rd. 60,8 Mill. t. Dabei stützt sich die für 2002 geschätzte Zunahme auf die zu Jahresanfang 2001 um rd. 0,5 % auf rd. 1,52 Mrd. Stück ausgedehnten Rinder- und Büffelbestände (dar. rd. 165 Mill. Büffel), die bei rd. 305 Mrd. Schlachtungen und dem Durchschnittsgewicht von knapp 200 kg den Produktionszuwachs von ca. 1,7 % ermöglichten. Für das Jahr 2003 zeichnet sich bei regional unterschiedlicher Entwicklung keine weitere Zunahme ab. In der EU erholten sich die im Winter 2000/01 wegen BSE und MKS eingeschränkten Schlachtungen anfangs nur zögernd. Zwar konnte der Schlachtstau von Jungbullen bereits im Frühsommer 2001 abgebaut werden, dauerte bei den weiblichen Rindern aber bis zum Frühsommer 2002 an. Dabei setzten sich die Normalisierungstendenzen auch durch die Beseitigung der Importsperren bedeutender Abnehmer sowie durch die wachsende Inlandsnachfrage nach Rindfleisch weiter fort. Die Auslagerungen des im Vorjahr angekauften Rindfleisches zur Verarbeitung am Inlandsmarkt blieben zunächst auf Testverkäufe beschränkt. Größere Absatzmengen werden erst ab 2003 erwartet, die aber auch in den Drittlandexport gehen können. Dabei erscheint insbesondere der russische Markt interessant, zumal das sonst importierte Rindfleisch aus der laufenden Produktion gegenüber 2001 recht teuer geworden ist. Für 2002 weisen die Statistiken der EU bis Ende Juli kumulativ rd. 10 % höhere Rinderschlachtungen sowie um gut 8 % gestiegene Rindfleischmengen aus. Die unterschiedlichen Wachstumsraten verdeutlichen sinkende Schlachtgewichte, was bei den Kälbern mit Zunahmen von jeweils rd. 4 % nicht erkennbar ist. Bei den Großrindern werden zu Jahresanfang 25 %-ige Zuwachsraten registriert, die relativ stärksten wegen der vorjährigen MKS-bedingten Handelssperren in den Niederlanden und im UK. Im Drittlandexport der Gemeinschaft ist die WTO-Quote subventionierter Mengen von 821 700 t in 2001 lediglich zu knapp 60 % ausgeschöpft worden. Auch für 2002 wird eine Unterschreitung erwartet, zumal die Ausfuhrerstattungen seit Dezember 2000 weitgehend unverändert geblieben sind. Die Jungbullenpreise erholten sich trotz fehlender Interventionskäufe weiterhin, erreichten aber noch nicht die vor der BSE-Krise realisierten Niveaus. Wesentlich weniger dynamisch war die Aufwärtsentwicklung für weibliche Kategorien, obwohl diese zu Jahresanfang noch durch die Entnahme von 39 502 t Altkuhfleisch zur Verwendung als humanitäre Hilfe oder zur unschädlichen Beseitigung gestützt worden sind. Für 2003 stützen sich die Produktionsschätzungen in der EU auf ca. 2 % niedrigere Bestände von ca. 79,15 Mill. Rinder (ohne Griechenland und Portugal), wonach sich ein Rückgang der Rind- und Kalbfleischerzeugung um knapp 1 % abzeichnet. Die deutsche Rinderzählung von Anfang Mai 2002 weist einen relativ stärkeren Bestandsrückgang um 4,2 % auf ca. 13,994 Mill. Rinder aus. Die Rind- und Kalbfleischerzeugung könnte hier bei noch leicht sinkenden Schlachtgewichten um etwa 2 % abnehmen. Dabei wird eine weitere Belebung der Importe erwartet, wogegen die Exporte das Niveau von 2002 trotz stärkerem Abbaus der Lagerbestände kaum halten dürften. Dabei wird die Preisentwicklung von den Exportmöglichkeiten nach Russland vermutlich stärker beeinflusst als von der Erholung des Inlandsverbrauchs. Der Weltmarkt für Schweinefleisch ist von Seuchenzügen nicht mehr so stark beeinflusst worden wie in den Vorjahren. 2002 war die Produktionslage gekennzeichnet durch zyklisch auslaufende Schlachtungen in China, Kanada und Südamerika, uneinheitliche Entwicklung in den USA und in Teilen Asiens, leichte Erholung in Westeuropa sowie deutlichere Zunahmen in den ehemals sozialistischen Ländern. Insgesamt kann die Welterzeugung bei rd. 1,21 Mrd. Schlachtungen und mittleren Schlachtgewichten von knapp 78 kg mit gut 3 % auf ca. 94,2 Mill. relativ stärker gestiegen sein als im Vorjahr. Diese Zunahme übte Druck auf die Preise aus, erhöhte aber das Welthandelsvolumen deutlich. Die internationale Handelsmenge könnte nach dem vorjährigen Rückschlag nunmehr um gut 5 % auf rd. 8,85 Mill. t SG (einschl. Lebendvieh) oder knapp 9,5 % der Welterzeugung zugenommen haben. Für 2003 wird aufgrund des verlangsamten Wachstums der Weltschweinebestände (ca. 923 Mill. Stück) mit einer schwächeren Zuwachsrate der Welterzeugung von 1,5 % auf rd. 95,5 Mill. t gerechnet. In der EU waren die Schweineschlachtungen im Winter 2001/02 insbesondere in den Niederlanden noch stark eingeschränkt, übertrafen aber ab Frühjahr die Monatswerte des Vorjahres nahezu ständig. Die Zunahmeraten von 1-2 % wurden hauptsächlich getragen von höheren Schlachtungen in Dänemark, im UK und in Österreich. In diesen Ländern nahmen sie bis zum September 2002 kumuliert zwischen ca.2,5 % bzw. 6,5 % zu, verglichen mit Abnahmen um ca. 3 % in Irland und nur geringen Veränderungen in den übrigen Ländern. Dabei blieben die Schlachtgewichte unverändert. Die Produktionsentwicklung wurde im ersten Halbjahr 2002 durch Ausbrüche der Europäischen Schweinepest in Frankreich, Luxemburg und Spanien nur temporär beeinflusst. Zwar konnten die Auswirkungen auf die Produktion dank energischer Maßnahmen zur Eindämmung relativ schnell überwunden werden, doch blieben die Exporte in Drittländer insbesondere für Frankreich längere Zeit gesperrt. In Spanien, wo die Schlachtungen wegen sinkender Ferkelimporte aus den Niederlanden zu Jahresanfang noch rückläufig waren, wurden nur 40 000 Schweine gekeult. Die dänischen Exportaussichten haben sich nach der Erhöhung des Importmindestpreises Japans um 23 % im August 2002 zwar verschlechtert, doch wird die dänische Produktion inzwischen mit nur noch leichter Ausdehnung oder Reduzierung der Schweinebestände gebremst, ebenso mit staatlicher Hilfe in den Niederlanden und in Belgien. Trotz anfänglicher Erschwernisse und kaum höheren Exporterstattungen wird für die EU insgesamt mit ca. 10 % größeren Drittlandsexporten gerechnet. Der im GATT fixierte Handelsplafond subventionierter Exporte von 440 000 t wurde daher nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft. Die Importe der Gemeinschaft bewegen sich meist in den Doppel-Null-Abkommen mit den beitrittswilligen Ländern Osteuropas auf relativ niedrigem Niveau. Die Preise zeigen nach dem seuchenbedingten Höchststand im Frühjahr 2001 bis auf eine saisonale Erholungsphase im Frühjahr 2002 nahezu ständig sinkende Tendenz. Angesichts der niedrigen Preise in den letzten Monaten wurde Anfang Dezember 2002 eine Aktion von Beihilfen zur privaten Lagerhaltung von etwa 70 000 t Schweinefleisch beschlossen. Die Schweinebestände der EU sind im Zeitraum April-August 2002 gegenüber der gleichen Zeit im Vorjahr um 0,9 % auf rd. 120,16 Mill. Stück abgebaut worden. Diese Bestände lassen für 2003 insgesamt eine leicht sinkende Produktion von 17,65 Mill. t Schweinefleisch erwarten. Die deutschen Schweinebestände wuchsen bis Frühsommer 2002 um ca. 1,8 % auf rd. 26,255 Mill. Stück, wobei die Zahl der trächtigen Sauen nahezu unverändert blieb. Diese Struktur deutet auf kurzfristige Produktionszunahme lediglich im ersten Halbjahr 2003. Die Lebendviehbezüge und Versendungen könnten wegen geringerer Verfügbarkeit in den Nachbarländern wieder abnehmen und die Fleischbezüge ebenfalls leicht sinken. Auch die Exporte dürften das Volumen von 2002 kaum halten. Daher wird mit einer leichten Verbrauchszunahme um ca. 0,5 % auf etwa 52,7 kg je Einwohner gerechnet. Die Preise dürften wie bei Rindfleisch weitgehend stabil bleiben. Die bedeutendsten Erzeuger von Geflügelfleisch sind die USA mit ca. 24 % Produktionsanteil, gefolgt von China mit ca. 19 % und der EU mit ca. 13 %. Brasiliens Anteil betrug 1994 weniger als 6 %, wuchs aber insbesondere ab 1999 deutlich auf nunmehr knapp 10 %. Die BSE-bedingte Nachfrageschwäche forcierte die Produktion und den internationalen Handel, dessen Wachstumsraten sich im letzten Jahr abschwächten. Die Anteile der globalen Handelsmengen nahmen zwischen 1995 und 2001 von rd. 9,5 % auf mehr als 13,5 % der Welterzeugung zu, doch zeichnet sich für 2002 ein sinkender Anteil ab. Für 2002 und 2003 sind unter leichtem Preisdruck Zunahmen der Welterzeugung von jeweils rd. 1,5 % zu erwarten, wobei die größten Zuwachsraten in Nordamerika und Asien, aber auch in Teilen Südamerikas und im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion vermutet werden. Dabei wird mit einer Erholung des internationalen Handels, der 2002 durch die russischen Einfuhrbeschränkungen gegenüber den USA empfindlich gestört war, auf das Volumen von 2001 gerechnet. Im Drittlandshandel der Gemeinschaft sind in den ersten 8 Monaten 2002 um rd. 1,5 % niedrigere Importe, aber um gut 20 % größere Ausfuhren erkennbar. Diese wurden gestützt von den seit Ende 2000 von 20 Euro auf 44 Euro je 100 kg im Oktober 2002 nahezu stetig erhöhten Exporterstattungen für bratfertige, gefrorene Jungmasthühner. Die Beihilfen wurden im November auf 40 Euro gekürzt. Die künftig für Geflügelfleisch erwarteten Produktionsvolumen stützen sich teilweise auf die bis September 2002 vorliegenden Schlachtergebnisse von Jungmasthühnern und Puten, die keineswegs parallel verlaufen, sowie auf Statistiken über die Bruteiereinlagen und die Schlupfstatistik. Diese zeigen bis zum Herbst insgesamt leichte Zunahmen, doch wird für das dritte Quartal 2002 eine Produktionsabschwächung erwartet, so dass sich im ganzen Jahr nur ein marginaler Zuwachs gegenüber 2001 abzeichnet. Für 2003 wird ebenfalls nur mit geringem Anstieg gerechnet. Dabei könnten sich die Nettoimporte der EU zugunsten des Verbrauchs wiederum deutlich vermindern. Die Kommission schätzt für 2003 und 2005 Produktionsvolumen von 9,02 Mill. t bzw. 9,219 Mill. t und rechnet mit leicht steigendem Inlandsverbrauch.
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Dipl.-Ldw. Friedrich-Wilhelm Probst, Braunschweig
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