4 Der Markt für Milch

Thomas Roth (Berlin), Petra Salamon (Braunschweig)

Published: 16.01.2002  〉 Heft 2 (von 8) 2002  〉 Resort: Article 
Submitted: N. A.   〉 Feedback to authors after first review: N. A.   〉 Accepted: N. A.

ABSTRACT

Das globale Wachstum der Kuhmilchproduktion hat sich im Jahr 2001 verlangsamt. Die weltweite Erzeugung wird auf knapp 491 Mio. t geschätzt, was einem Zuwachs von unter 1 % entspricht. Ursachen sind unter anderem die preisbedingt rückläufige Produktion in den USA, ein durch die Währungskrise ausgelöster Erzeugungsrückgang in Argentinien und ein verlangsamtes Wachstum in Asien. In Westeuropa stagnierte die Erzeugung. Trotz Trockenheit in der letzten Saison nahm die Produktion im Kalenderjahr 2001 im ozeanischen Raum erneut zu. Ein stabiler Produktionszuwachs fand bisher auch in zahlreichen Ländern Südamerikas, insbesondere Brasiliens statt. Eine deutliche Belebung in der Produktion war in vielen Transformationsländern Mittel- und Osteuropas zu verzeichnen. In der Verarbeitung führte die im Jahr 2001 anhaltend hohe weltweite Nachfrage nach Käse zu einem stärkeren Rohmilcheinsatz in der Käseerzeugung. Bei nur schwach steigendem Rohmilchangebot hatte dies zur Folge, dass die Erzeugung anderer Produkte teilweise reduziert wurde. Auf den Weltmärkten für Milchprodukte stand im Wirtschaftsjahr 2001 einer mäßigen Angebotszunahme eine stärker steigende Importnachfrage gegenüber. Hinzu kam noch eine verstärkte Binnenmarktnachfrage nach Milchprodukten in wichtigen Überschussregionen, wie beispielsweise in der EU, Russland und China. Infolgedessen blieben die Weltmarktpreise im Jahr 2001 auf hohem Niveau und weltweit wurden die Lagerbestände abgebaut. In der zweiten Hälfte des Kalenderjahres 2001 zeichnete sich jedoch eine Beruhigung ab und die Preise gaben etwas nach. Die weiteren Aussichten werden durch eine erhöhte Rohmilchverfügbarkeit in wichtigen Produktionsregionen (Australien, USA, Russland, Indien) geprägt sein. Die Ursachen dürften in einer sich abzeichnenden Normalisierung der Witterungsbedingungen im ozeanischen Raum liegen, aber auch in den vergleichsweise hohen Preisen zu sehen sein. Dieser Produktionszuwachs wird vermutlich auf eine eher verhaltene Nachfrage treffen.In der EU waren im Rahmen der Agenda 2000 die administrativen Preise für den EU-Milchmarkt festgeschrieben worden. Anpassungen an aktuelle Marktsituationen fanden daher mit Hilfe der Absatzförderungsmaßnahmen statt. Die anhaltend festen Marktbedingungen führten insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2001 zu Kürzungen der Subventionen für den Absatz im Binnenmarkt und auf den Exportmärkten. Im Wirtschaftsjahr 2000/01 wurde die Milchquote erstmals seit ihrem Bestehen EU-weit unterschritten. In größerem Maße nicht ausgenutzt wurde die Quote im Vereinigten Königreich, in Frankreich und in Spanien. Dagegen kam es in einigen anderen Ländern, so in Italien und Deutschland, zu größeren Überlieferungen. Zu Beginn des Quotenjahres 2001/02 war die Milchanlieferungen weiter rückläufig, bedingt durch die MKS und ungünstige Witterung in vielen Ländern. Im späten Frühling und im Sommer zeigten sich dann jedoch sehr expansive Tendenzen. Die Milchproduktion bewegte sich im Kalenderjahr 2001 in der EU nur geringfügig über dem Vorjahresniveau. Die Milchviehbestände (Mai/Juni) sind im Jahr 2001 EU-weit nur geringfügig vermindert worden. Infolge der guten Inlandsnachfrage aufgrund der eingeschränkten Nachfrage nach Fleischwaren sind die Großhandelspreise für Milchprodukte im Verlauf des Jahres 2000 gestiegen. Diese Entwicklung übertrug sich auch auf die Milcherzeugerpreise, die im EU-Durchschnitt um ca. 2 % stiegen. Besonders ausgeprägt waren die Zunahmen in Deutschland, Frankreich und Belgien sowie in Finnland und Schweden. Erste Preismeldungen für das Jahr 2001 lassen eine Fortsetzung dieser Entwicklung erwarten. Dabei hat sich der Preisanstieg in der ersten Jahreshälfte 2001 beschleunigt. Die rückläufigen Großhandelspreise für Dauermilchprodukte und Butter in der zweiten Jahreshälfte 2001 scheinen sich erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung in den Erzeugerpreisen niederzuschlagen. Im Jahresmittel könnten daher in der EU die Preise um 5 - 6 % gestiegen sein. Im kommenden Jahr 2002 werden die gefallenen Großhandelspreise vermutlich auf die Erzeugerpreise durchschlagen. Der zu erwartende Preisrückgang könnte sich durch eine leicht erhöhte Milcherzeugung verstärken, insbesondere wenn die BSE-bedingten Nachfragesteigerungen sich normalisieren. Eine gewisse Marktentlastung könnte aber von einem möglichen Anstieg der Exportförderung ausgehen.
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Dr. Petra Salamon, Institut für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Braunschweig, Bundesallee 50, D-38116 Braunschweig
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