4 Der Markt für Milch

Petra Salamon

Published: 01.01.2001  〉 Heft 1/2000  〉 Resort: Article 
Submitted: N. A.   〉 Feedback to authors after first review: N. A.   〉 Accepted: N. A.

ABSTRACT

Die Weltmilchproduktion ist bei weitgehend entspannter Marktlage in 2000 weiter gestiegen. Besonders positiv haben sich die Erholung der Wirtschaft im asiatischen Raum und die gestiegene Kaufkraft in den ölexportierenden Ländern auf die Nachfrageentwicklung ausgewirkt. Die globale Produktion an Milch insgesamt wird für 2000 auf 570 Mill. t geschätzt gegenüber 567 Mill. t im Vorjahr. Die Kuhmilchproduktion wird auf 487 Mill. t veranschlagt und die übrige Milcherzeugung auf schätzungsweise 83 Mill. t. Besonders ausgeprägt war das Produktionswachstum in den USA und im ozeanischen Raum. In Australien und Neuseeland konnten die Produzenten dabei von festen Tendenzen im internationalen Handel profitieren und ihre Exporte bei meist gestiegenen Weltmarktpreisen ausdehnen. Diese Entwicklung dürfte sich abgeschwächt im Jahr 2001 fortsetzen. In den USA traf die stark expandierende Milchproduktion zwar auf eine steigende Binnenmarktnachfrage. Trotzdem führte der überproportionale Zuwachs zu Überschüssen, da die Ausfuhren aufgrund der WTO Vereinbarungen und des hohen US-Dollars nur begrenzt ausgedehnt werden konnten. Die dadurch verursachten niedrigen Erzeugerpreise dürften im Verbund mit den steigenden Produktionskosten das weitere Wachstum abschwächen. Meist unter den Erwartungen lag der Zuwachs in der Milcherzeugung Lateinamerikas, wobei sowohl Witterungseinflüsse als auch die Brasilienkrise eine Rolle gespielt haben. In den mittel- und osteuropäischen Ländern sowie in der GUS hat sich die Milcherzeugung in 2000 uneinheitlich entwickelt. In Russland wurde beispielsweise die Produktion ausgedehnt. Hingegen war in einigen Beitrittsländern, so in Polen, die Anlieferung und vermutlich auch die Erzeugung rückläufig, da nach Einführung von Hygienebestimmungen nach EU-Vorbild ein Teil der produzierten Milch nicht mehr von den Verarbeitungsunternehmen abgenommen wird. Das knappe Angebot an Dauermilchprodukten, insbesondere an Magermilchpulver, hat die Weltmarktpreise deutlich steigen lassen. Die Bestände in außeramerikanischen Regionen wurden weitgehend abgebaut. Im kommenden Jahr dürften die Preise weiterhin fest notieren, falls der US-Dollar sich nicht sehr abschwächen sollte.
In der EU tendierten Milchpreise bei fester Nachfrage und stagnierendem Angebot fest. Grundsätzliche marktpolitische Entscheidungen standen nach den Beschlüssen der Agenda 2000 nicht an. Es fanden nur geringere Korrekturen statt, die vor allem niedrigere Beihilfesätze bei Magermilchpulver sowie Exporterstattungen bei Dauermilcherzeugnissen und auch Käse betrafen. Die Zuteilung der ersten Tranche spezieller Quoten in Italien, Spanien, Griechenland, Irland und im Vereinigten Königreich haben bisher nicht zu einem Anstieg in der Erzeugung geführt. Gleichzeitig hatte in verschiedenen EU-Ländern (u.a. Österreich, Dänemark, Deutschland, Niederlande, Spanien, Schweden) die Reduzierung der Milchviehbestände einen rechnerischen Anstieg in der Milchleistung zur Folge. Nachdem im Quotenjahr 1999/00 die Garantiemengen in den meisten EU-Ländern überschritten worden waren und Superabgaben fällig wurden, erfolgte in einer Reihe von EU-Ländern ein eher zurückhaltender Einstieg in das Quotenjahr 2000/01. Da allerdings auch die Fettgehalte gestiegen sind und sich die Preise für die Milcherzeuger günstig entwickelt haben, ist nicht damit zu rechnen, dass die Quote verfehlt wird.
In Deutschland sind die verhaltenen Anlieferungen - neben den Strafabgaben - auch auf die Neuregelung des Quotentransfers zurückzuführen. Im Vorgriff auf diese Regelung, die einen Transfer im wesentlichen nur noch über spezielle Börsen zu bestimmten Terminen zulässt, waren noch zahlreiche Pachtverträge nach altem Recht zum Ende des Quotenjahres 1999/00 erfolgt. Die dadurch verursachten Bestandsumstrukturierungen haben u.a. eine verzögerte Quotenausfüllung bedingt. Zum ersten Börsentermin am 31.Oktober bestand ein deutlicher Nachfrageüberhang und die schon in den vergangenen Jahren zu beobachteten regionalen Differenzen in den Quotenpreisen wurden bestätigt. An dieser Situation dürfte sich vorerst nichts Wesentliches ändern, wobei die vergleichsweise hohen Milchpreise tendenziell preissteigernd wirken könnten. Diesem Trend entgegenwirken könnte aber ein zumindest mittel- bis langfristig wachsendes Quotenangebot und der Wiederholungsabzug.
In der EU haben die feste Nachfrageentwicklung und verbesserte Exportaussichten in 2000 zu meist steigenden Erzeugerpreisen geführt. Bei begrenzter Milchverfügbarkeit wurde in der EU in 2000 die Käse und Vollmilchpulvererzeugung, zum Teil aber auch die Herstellung von Milchfrischerzeugnissen, ausgedehnt und die Herstellung der übrigen Produkte eingeschränkt. Dies führte insbesondere zu einem knappen Magermilchpulverangebot, dem außerdem eine gestiegene internationale Nachfrage gegenüberstand. Die Lagerbestände an Magermilchpulver konnten daher bei drastisch gestiegenen Preisen fast vollständig abgebaut werden. Bei Butter hingegen sind die Lagerbestände bei nur geringen Veränderungen noch leicht gestiegen. Die gestiegene Verwertung von Milcheiweiß über Magermilchpulver könnte einen Anreize für die Produktionsausdehnung in diesem Bereich darstellen und die Ausdehnung der Käseerzeugung begrenzen. Allerdings sind die subventionierten Exporte entsprechend den WTO-Vereinbarungen begrenzt und es ist in 2001 mit verschärfter Konkurrenz im internationalen Handel zu rechnen.
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Petra Salamon, FAL-MA, Bundesallee 50, D-38116 Braunschweig
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