3 Der Markt für Zucker

Ulrich Sommer

Published: 16.01.2002  〉 Heft 2 (von 8) 2002  〉 Resort: Article 
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ABSTRACT

Die Anfang 2001 gehegten Hoffnungen, dass sich die Weltlagerbestände aufgrund einer die Produktion übersteigenden Nachfrage im Jahr 2001 abbauen und die Zuckerpreise weiter ansteigen würden, haben sich im Laufe des Jahres zunehmend zerschlagen. Während anfangs von einem Produktionsdefizit von ca. 3.3 Mio. t ausgegangen wurde, stellte sich gegen Ende des Jahres ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ein. Ausschlaggebend dafür war, dass China wesentlich weniger importierte als angenommen, Indien eine sehr hohe Ernte aufwies und Ausfuhren staatlich gefördert wurden, Brasilien ebenfalls mehr produzierte und infolge der Abwertung des Real höhere Exporte tätigte und als Folge der Krisensituation im Mittleren Osten dort die Importnachfrage stagnierte.Gegen Ende des Jahres tendierten die Preise zwar wieder etwas fester, was jedoch lediglich eine Reaktion auf die aktuell etwas geringere Verfügbarkeit von Zucker zu werten ist, da die russischen Importeure anscheinend versuchen, so viel Zucker wie möglich vor dem In-Kraft-Treten des hohen Zolls außerhalb der Importquote am 20. November zu importieren. Außerdem zeichnete sich in der EU eine niedrige Ernte ab.Die weitere Entwicklung am Zuckerweltmarkt ist schwierig einzuschätzen. Auf der Nachfrageseite wird entscheidend sein, wie schnell sich die Weltwirtschaft von der derzeitigen konjunkturellen Schwäche erholt und welche Ausmaße die Krisensituation im Nahen und Mittleren Osten annehmen wird. Daneben wird, wie in allen Jahren, die Importnachfrage Russlands und Chinas hohen Einfluss auf die Weltmarktpreissituation haben. Die Höhe des Weltmarktangebots im Jahr 2002 wird weitgehend von der Erzeugung der großen Produzenten Brasilien, Thailand und Australien, aber auch von Indien und Kuba beeinflusst werden. Unter Abwägung aller verfügbaren Informationen ist davon auszugehen, dass der Zuwachs der Weltproduktion - unter normalen Witterungsbedingungen - im nächsten Jahr größer sein wird als der Nachfragezuwachs. Dies wird einen nachhaltigen Anstieg der Weltmarktpreise verhindern.In der EU wurde die Anbaufläche im ZWJ 2001/02 eingeschränkt, weil Unsicherheit über die Ausgestaltung der zukünftigen ZMO bestand und auch in diesem Jahr bei durchschnittlichen Erträgen mit einer Deklassierung gerechnet werden musste. Ungünstige Witterungsbedingungen während des gesamten Jahres haben jedoch vor allem in den größten Anbauregionen der EU zu teilweise sehr niedrigen Zuckererträgen geführt. Die Erzeugung wird daher auf knapp 14,9 Mio. t geschätzt, das sind ca. 12 % weniger als im Vorjahr. Die Höchstquote konnte in mehreren Ländern nur einschließlich der Übertragungsmenge aus dem ZWJ 2000/01 erreicht werden. Damit stehen für den Export wesentlich geringere Mengen als in den Vorjahren zur Verfügung, auch wenn zu erwarten ist, dass nahezu der gesamte C-Zucker in diesem ZWJ exportiert wird, um ihn nicht mit Lagerkosten zusätzlich zu belasten. In der EU wurden im Jahr 2001 zwei wichtige Verordnungen (ZMO und EBA-Abkommen) verabschiedet, die längerfristig Auswirkungen auf die Zuckerwirtschaft haben werden. Die neue ZMO wird grundsätzlich zu einer wenn auch geringen Entlastung des Weltmarktes führen, da die Produktion der EU aufgrund der Quotenkürzung und der Abschaffung des Lagerkostensystems tendenziell niedriger ausfallen wird. Dadurch und durch die Finanzierung der Produktionserstattungen für sämtlichen in der chemischen Industrie verwendeten Zucker durch die Erzeuger entstehen Einkommensverluste für die Zuckerindustrie und die Rübenanbauer. Das "Everything But Arms" Abkommen, dass den 48 ärmsten Entwicklungsländern einen verbesserten Zugang zum EU-Markt eröffnet, wird bis zum ZWJ 2006/07 keine Auswirkungen auf die EU-Produktion haben, da die Importe im Rahmen dieses Abkommens den bisher zu Sonderpräferenzen eingeführten Rohrrohzucker ersetzen werden. Nach diesem Zeitpunkt kann jedoch nicht nur Rohrrohzucker, sondern sämtlicher Zucker aus diesen Ländern mit zunehmender Zollreduktion eingeführt werden. Dieser Termin fällt mit der Neukonzeption der ZMO zusammen, und es muss damit gerechnet werden, dass das EBA-Abkommen dann eine Verringerung der Produktion in der EU zur Folge haben wird.
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Dr. Ulrich Sommer, Institut für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Braunschweig, Bundesallee 50, D-38116 Braunschweig
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