Zur Wirkung von Grünen Nudges im Gewässerschutz –
Eine experimentelle Untersuchung mithilfe eines Unternehmensplanspiels

Denise Peth, Oliver Mußhoff, Katja Funke, Norbert Hirschauer

Published: 01.06.2018  〉 Volume 67 (2018), Number 2, 113-136  〉 Resort: Article 
Submitted: N. A.   〉 Feedback to authors after first review: N. A.   〉 Accepted: N. A.

ABSTRACT

Stickstoffeinträge in Oberflächengewässer stellen ein schwerwiegendes Externalitätenproblem der landwirtschaftlichen Produktion dar. Umwelt- und Verbraucherschützer fordern, diese Externalitäten durch staatliche Eingriffe zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund betrachtet die vorliegende Studie verhaltensbasierte Regulierungsstrategien in Form von Grünen Nudges. Anhand eines mehrperiodischen Einpersonen-Unternehmensplanspiels mit Studierenden der Agrarwissenschaften wird untersucht, wie Nudges auf die Einhaltung von Mindestabständen zu Gewässern bei der Düngung wirken. Untersucht werden ein Nudge mit Informationen und Bildern, die umwelt- und gesundheitsschädliche Auswirkungen bei Nichteinhaltung des Mindestabstands zeigen, sowie ein Nudge mit Informationen, Bildern und sozialem Vergleich, der einen Hinweis auf die Regelbefolgung durch die Mehrheit der Landwirte aus derselben Region beinhaltet. Es ergeben sich drei zentrale experimentelle Befunde: Erstens, die Nudges wirken im Experiment präventiv und verringern sowohl den prozentualen Anteil regelverstoßender Teilnehmer als auch den Gesamtumfang der regelwidrig gedüngten Fläche. Zweitens wirkt das Nudge mit Informationen, Bildern und sozialem Vergleich weniger stark präventiv als das einfache Nudge mit Informationen und Bildern. Drittens, innerhalb der regelbrechenden Teilgruppe steigt die regelwidrig gedüngte Fläche durch die Nudges, und zwar durch das Nudge mit sozialem Vergleich etwas stärker als ohne. Das Ergebnis ist damit (trotz der eingeschränkten Generalisierbarkeit eines Experiments mit Studierenden), dass sich die Wirkung von Nudges in verschiedenen Teilgruppen unterscheidet. In einer Teilgruppe wirkten die Nudges als Prävention. Innerhalb der regelbrechenden Teilgruppe erhöhten die Nudges aber die Schwere der Verstöße. Über die Gründe hierfür (z. B. Reaktanz) muss zum gegenwärtigen Zeitpunkt spekuliert werden. Die potenziell entgegengesetzte Wirkung ein und derselben Politikmaßnahme erscheint aber ein wichtiger Gegenstand zukünftiger Forschung (Politikfolgenabschätzung) zu sein.
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DENISE PETH
Georg-August-Universität Göttingen
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung, Arbeitsbereich Landwirtschaftliche Betriebslehre
Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen
E-Mail: denise.peth@agr.uni-goettingen.de
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