Wechsel in der Schriftleitung der AGRARWIRTSCHAFT

Harald von Witzke

Published: 13.10.2003  〉 Jahrgang 52 (2003), Heft 5 (von 8)  〉 Resort: Article  〉  Deutsch
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N. A.

ABSTRACT

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

seit 52 Jahren gibt es die Agrarwirtschaft als "Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Marktforschung und Agrarpolitik". In diesem Zeitraum hat die Land- und Ernährungswirtschaft in Deutschland, in Europa und weltweit dramatische Veränderungen erfahren. So produzierte die deutsche Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg unter einer national betriebenen Agrarpolitik weitgehend für den heimischen Markt. Die Hauptziele der deutschen Agrarpolitik bestanden vor allem in der Sicherstellung der mengenmäßigen Nahrungsgüterversorgung der heimischen Bevölkerung sowie in der Verringerung der Disparität der Entwicklung der landwirtschaftlichen Erzeugereinkommen und der in anderen Wirtschaftsbereichen.
Das Ende der sechziger Jahre brachte den Beginn der Gemeinsamen Agrarpolitik. Zehn Jahre später hatte sich die Agrarwirtschaft der Europäischen Gemeinschaft vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur von Nahrungsgütern gewandelt. Die Europäische Union ist heute, zusammen mit den USA, das größte Nahrungsgüter exportierende und importierende Gebiet.

Einhergegangen ist diese Entwicklung mit vielfältigen Änderungen der heimischen Landwirtschaft. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Unternehmen hat in den letzten 50 Jahren dramatisch abgenommen. Die Größe der Unternehmen ist gestiegen. Neue Formen der ökonomischen Organisation der landwirtschaftlichen Produktion sind entstanden. Die Landwirtschaft ist jetzt integraler Bestandteil der Volkswirtschaft. Subsistenzproduktion spielt nur noch eine sehr geringe Rolle.
Seit etwa 20 Jahren befindet sich die Gemeinsame Agrarpolitik im Prozess merklicher Reformen, auch wenn diese anfangs nur in kleinen Schritten erfolgten. Mit dem Auftreten von Agrarüberschüssen hatte sich die Gemeinsame Agrarpolitik von einer Finanzquelle für die Europäische Gemeinschaft zum bedeutendsten Posten auf der Ausgabenseite des Haushalts gewandelt. Zunächst machte sich dies durch steigende Qualitätsanforderungen und sinkende reale Stützpreise oder - wie auf dem Milchmarkt - durch zusätzliche Markteingriffe bemerkbar.

Im Jahr 1992 begann sich das Reformtempo zu beschleunigen. Marktordnungspreise wurden deutlich gesenkt, Direktzahlungen wurden eingeführt, und die Gemeinsame Agrarpolitik wurde um eine sichtbare umweltorientierte Komponente ergänzt. Mit den Beschlüssen zur Agenda 2000 wurde dieser Reformprozess fortgesetzt.
Das Ziel der Sicherstellung der mengenmäßigen Nahrungsgüterversorgung der heimischen Bevölkerung hat im Zeitablauf an Bedeutung verloren. Stattdessen steht die Sicherung der Qualität von Agrar- und Ernährungsgütern jetzt ganz oben auf der Agenda der Agrarpolitik. Die von EU Agrarkommissar Fischler in diesem Jahr vorgestellten Vorschläge zu weiteren Reformen deuten an, dass die Neuorientierung der Agrarpolitik noch nicht abgeschlossen ist.
Im Zuge des Reformprozesses ist auch deutlich geworden, dass die politische Bedeutung von Umwelt- und Ressourcenschutz erheblich zugenommen hat. Die Nachhaltigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft sowie der Naturnutzung spielt nunmehr eine wichtige Rolle in der öffentlichen Diskussion und der politischen Debatte.
Die Agrarwirtschaft hat mit den in ihr veröffentlichten Beiträgen die Umwälzungen in der Land- und Ernährungswirtschaft auf Betriebs-, Unternehmens- und Sektorebene ebenso wissenschaftlich begleitet wie die Reformen der EU und der internationalen Agrar- und Agrarhandelspolitik. Zentral war dabei das Bemühen der Herausgeber, problemorientierte Forschung von exzellenter Qualität zu präsentieren und dies in einer Form, die einen fruchtbaren Gedankenaustausch sowohl innerhalb der Wissenschaft ermöglicht als auch den Dialog zwischen Wissenschaft, Verwaltung, Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie der praktischen Agrarpolitik stimuliert.

Auch in Zukunft werden die Inhalte der Beiträge in der Agrarwirtschaft von den sich wandelnden Forschungsprioritäten ebenso geprägt sein wie von neuen theoretischen und methodischen Ansätzen, wodurch ein besseres Verständnis der deutschen, europäischen und internationalen Land- und Ernährungswirtschaft ermöglicht wird. Das zentrale Anliegen der Agrarwirtschaft bleibt daher auch weiterhin, durch Veröffentlichung erstklassiger wissenschaftlicher Analysen den Dialog aller an der Land- und Ernährungswirtschaft Interessierten zu stimulieren.

Zur Sicherung der Qualität der Beiträge in der Agrarwirtschaft haben die Herausgeber vor einigen Jahren das international übliche Verfahren der Doppelblindgutachten eingeführt. Darüber hinaus wurde versucht, durch thematische Bündelung von Beiträgen die Ergebnisse der agrarökonomischen Forschung der interessierten Öffentlichkeit leichter zugänglich zu machen.

Die Globalisierung hat auch vor der Wissenschaft nicht Halt gemacht. Englisch ist die Sprache der Wissenschaft geworden. In der Agrarwirtschaft werden daher nun Beiträge in deutscher sowie in englischer Sprache veröffentlicht.

Vielen von Ihnen wird es so gehen wie mir. Die Vielzahl der Buchveröffentlichungen zu Fragen der Land- und Ernährungswirtschaft macht es schwer, sich diejenigen herauszusuchen, aus deren Lektüre man den größten Gewinn ziehen kann. Die Agrarwirtschaft hat in der Vergangenheit immer versucht, für ihre Leserinnen und Leser durch Buchbesprechungen die Auswahl agrarökonomischer wie auch wirtschaftswissenschaftlicher Lektüre zu erleichtern. Die Herausgeber der Agrarwirtschaft möchten diesen Bereich dadurch weiter stärken, dass zusätzlich ein für Buchbesprechungen zuständiger Herausgeber benannt wird. Prof. Dr. Roland Herrmann in Zusammenarbeit mit Dr. Andreas Böcker betreuen nun die Buchbesprechungen unserer Zeitschrift.
Die Agrarwirtschaft ist heute eine international anerkannte wissenschaftliche Zeitschrift mit Abonnements in vielen Ländern der Welt. Dieses verdankt sie der Einsatzbereitschaft der Herausgeber und des Verlags. Ganz besonders verdankt sie es jedoch den Schriftleitern der Agrarwirtschaft, die über Jahrzehnte hinweg mit großen Engagement daran gearbeitet haben, die Agrarwirtschaft zu der führenden im deutschsprachigen Raum erscheinenden Zeitschrift der agrarökonomischen Wissenschaft zu machen.

Mit diesem Heft habe ich die Redaktion der Agrarwirtschaft von Dr. Dirk Manegold übernommen. Dabei werde ich unterstützt von Frau Prof. Dr. Karin Holm-Müller und Prof. Dr. Manfred Köhne. Im Namen der
Herausgeber und des Deutschen Fachverlags bedanke ich mich bei Dr. Manegold für die hervorragende Arbeit, die er als Schriftleiter der Agrarwirtschaft geleistet hat. Die Herausgeber der Agrarwirtschaft freuen sich auf den fortgesetzten Dialog sowohl mit den Autorinnen und Autoren als auch mit den Leserinnen und Lesern unserer Zeitschrift.
CONTACT AUTHOR
Prof. Dr. Dr. h.c. HARALD VON WITZKE,
Schriftleitung Agrarwirtschaft
Humboldt-Universität zu Berlin, Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät,
Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus,
Luisenstr. 56, 10099 Berlin
Tel.: 030-20 93 62 33, Fax: 030-20 93 63 01
e-mail: hvwitzke@agrar.hu-berlin.de
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