Milchmarkt

Petra Salamon

Published: 01.01.2000  〉 Heft 1/2000  〉 Resort: Article  〉  Deutsch
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DOI:
N. A.

ABSTRACT

Die Weltmilcherzeugung wird für das Jahr 1999 auf 555 Mill. t geschätzt gegenüber 541 Mill. t im Vorjahr. Kuhmilch hat daran einen Anteil von ca. 472 Mill. t (1998: 470 Mill. t). Das Wachstum der Milchproduktion fand überwiegend in Amerika statt. In Asien und Ozeanien litt dagegen die Erzeugung unter den Nachwirkungen des El Niño und den begrenzten Absatzmöglichkeiten aufgrund der Finanz- und Währungskrisen. In Westeuropa und den MOE-Ländern insgesamt hat sich die Milcherzeugung nur wenig verändert. In der EU ist sie leicht gestiegen. Der Zuwachs der Milchproduktion dürfte 1999 - im Gegensatz zu den Vorjahren - überwiegend nicht zu Frischmilchprodukten, Sahne und Käse verarbeitet worden sein. Vielmehr wächst erstmals seit einigen Jahren die Herstellung von Butter und Dauermilchprodukten. Die verschiedenen Wirtschaftskrisen haben 1998 und auch 1999 zu einer Stagnation des Welthandels geführt. Die internationalen Preise lagen im Jahresverlauf 1999 ständig unter dem Vorjahresniveau. Die gestiegenen Bestände an Milchprodukten haben den Druck auf die Preise verstärkt. In der zweiten Jahreshälfte konnten gewisse Preisanstiege beobachtet werden. Eine deutliche Preiskonsolidierung wird durch die gestiegene Produktion bei Butter und Magermilchpulver behindert. Entscheidenden Einfluss auf die Preisentwicklung wird das Verhalten der Importeure aus Russland, Asien und Brasilien haben. In Asien zeichnet sich inzwischen eine Erholung der Wirtschaft ab. Da die bestehenden Probleme im südostasiatischen Raum bisher nicht von Grund auf beseitigt wurden, bleibt die Dauer der Erholung eine offene Frage. Die Preisaussichten für Milchprodukte bleiben vermutlich auch 2000 uneinheitlich, es ist jedoch eine gewisse Preiserholung zu erwarten. Die Weltmilcherzeugung wird im Jahr 2000 weiter zunehmen, mit Wachstumszentren in Nord- und Südamerika, Ozeanien und in Teilen Asiens. In Australien und den USA schwächt sich das Wachstum allerdings preisbedingt etwas ab. In Neuseeland liegen - bei durchschnittlichen Witterungsbedingungen - die Unsicherheiten in der Verteuerung der Produktionsausdehnung.Das wichtigste Ereignisse am EU-Milchmarkt waren die Berliner Beschlüsse der Agenda 2000: Die Interventionspreise für Butter und Magermilchpulver werden - beginnend 2005/06 - in drei gleichen Schritten von je 5 % des Ausgangsniveaus gesenkt. Gleichzeitig laufen auch die Ausgleichszahlungen in Abhängigkeit von der Quote 1999/2000 an. Die Garantiemengen werden insgesamt in der Endstufe 2005/06 um 2,39 % (2,831 Mill. t) aufgestockt. Dabei handelt es sich um spezifische Zusatzquoten für einige spezielle EU-Mitgliedstaaten (Italien, Irland, Spanien, Griechenland und das Vereinigte Königreich (Nordirland)), die ab dem Quotenjahr 2000/01 zur Verfügung stehen. Die übrigen Mitgliedstaaten erhalten Zusatzquoten in Höhe von 1,5 % in drei gleichen Tranchen ab dem Quotenjahr 2003/04. Die geplanten Preissenkungen dürften sich am Markt durchsetzen und nicht nur die Interventionsprodukte, sondern auch die anderen Milchprodukte betreffen. Deren Preisrückgang fällt in der Regel allerdings etwas geringer aus. Sofern im Welthandel nicht sehr deutliche Preissteigerungen realisiert werden, bestehen nach der vollen Umsetzung der Agenda 2000 immer noch Preisdifferenzen zwischen Binnenmarkt und Weltmarkt. Es dürfte nur begrenzter Spielraum bei der WTO II-Runde für einen weiteren Abbau der Zölle und der Exporterstattungen der EU bestehen. Probleme bereitet auch die Bindung der Ausgleichszahlungen an die Milchquoten. Die preissenkende Wirkung auf die Quotenrenten und die Quotenpreise wird durch die gekoppelten Ausgleichszahlungen zum größeren Teil wieder kompensiert. Obwohl einige Länder (Irland, Schweden, Finnland, Griechenland, Portugal und Frankreich) im Jahr 1998/99 ihre Quote nicht ausgeschöpft haben, wurde die EU-Milchquote insgesamt überschritten, vor allem bedingt durch hohe Produktion in Österreich, Italien und Spanien. Die ersten Monate des Quotenjahres 1999/00 zeigen auf EU-Ebene erneut eine Tendenz, die Milchanlieferungen über die Quotenlinie auszudehnen. Über dem Vorjahresniveau liegen die Anlieferungen in einigen Ländern, die im Quotenjahr 1998/99 ihre Garantiemenge nicht ausgeschöpft hatten (Vereinigte Königreich, Frankreich, Portugal, Finnland, Schweden) sowie in denjenigen Ländern, die spezielle Zusatzquoten ab 2000/01 zugewiesen bekommen haben (Italien, Spanien, Vereinigte Königreich). In Deutschland sind die Anlieferungen zu Beginn des Quotenjahres 1999/00 gedrosselt worden. Der leichte Rückgang in der Milcherzeugung in der EU im Kalenderjahr 1998 setzte sich aber 1999 nicht fort. Die teilweise nicht unerheblichen Produktionsausdehnungen 1999 würden sogar die Summe der Zusatzquoten übertreffen. Für das Jahr 2000 ist dagegen mit einer leichten Einschränkung zu rechnen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass sich in einigen Mitgliedstaaten, beispielsweise Italien, die Produktionsausdehnungen weiter fortsetzen. Die verringerten Absatzmöglichkeiten im Drittlandsgeschäft, erhöhte Milchanlieferungen und die dadurch bedingte Produktionsausdehnung an Butter und Magermilchpulver haben zu einer verstärkten Einlagerung beider Interventionsprodukte geführt. Erstmals seit längerer Zeit wurde 1999 Butter sogar wieder in die öffentliche Lagerhaltung genommen. Ab August konnten dann - saisonbedingt - rückläufige Bestände verzeichnet werden. Noch 1998 lagen in vielen Mitgliedstaaten die Erzeugerpreise in Landeswährung über dem Vorjahresniveau, sie gaben 1999 krisenbedingt vielfach nach. In Deutschland fielen im ersten Halbjahr 1999 die Erzeugerpreise für Milch (3,7 % Fett, 3,4 % Eiweiß) um rd. 2,5 % unter das vergleichbare Vorjahresniveau, zogen saisonal aber ab August 1999 wieder an. Unter Umständen kann der Preisanstieg aber auch über das saisonale Niveau hinausgehen. Der US-Dollar und der Yen notieren fest, und der internationale Absatz mit Milchprodukten hat sich belebt. Die weitere Preisentwicklung wird aber auch durch die Wirkung der speziellen Zusatzquoten beeinflusst. Falls es sich bei den beobachteten Produktionsausdehnungen 1999 um vorgezogene Maßnahmen der Erzeuger in den betroffenen Ländern handelt, dann dürften die Wirkungen dieser Mengen schon ganz oder teilweise in den heutigen Preisen antizipiert sein. Für den Fall aber, dass die speziellen Zusatzquoten bei der Zuteilung 2000/01 und 2001/02 zu weiteren Produktionssteigerungen führen, könnte ein weiterer Preisdruck nur durch eine sehr nachhaltige Belebung im Drittlandsgeschäft vermieden werden.
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Petra Salamon, Institut für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik, Braunschweig
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