Die Relevanz allgemeiner Gleichgewichtsmodelle für die agrarökonomische Forschung

MARTINA BROCKMEIER

Published: 01.11.1999  〉 Heft 11/1999  〉 Resort: Article 
Submitted: N. A.   〉 Feedback to authors after first review: N. A.   〉 Accepted: N. A.

ABSTRACT

Zusammenfassung:Durch die stärkere Integration des Agrar- und Ernährungssektors in die Volks- und Weltwirtschaft haben globale und volkswirtschaftliche Aspekte einen steigenden Stellenwert innerhalb dieses Sektors erlangt. Agrarökonomische Analysen bedienen sich daher zunehmend der allgemeinen Gleichgewichtsmodelle, die Veränderungen in den politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Volkswirtschaft berücksichtigen. Ermöglicht wird diese umfassendere Einbettung des Agrar- und Ernährungssektors durch ein simultanes System von nicht-linearen Gleichungen, das die ökonomische Aktivität eines Landes, einer Region und/oder der Welt erfaßt und dabei explizit die intra- und interregionalen Verflechtungen von Märkten berücksichtigt. Dieser Modelltyp kann durch das Standard-GTAP-Modell repräsentiert werden, das sich durch Erweiterungen gezielt auf die jeweiligen Fragestellung ausrichten läßt.Allgemeine Gleichgewichtsmodelle stellen relativ hohe Anforderungen an die Datenbasis. Beim Vergleich der zur Zeit in der agrarökonomischen Forschung angewendeten partiellen und allgemeinen Gleichgewichtsmodelle ist festzustellen, daß allgemeine Gleichgewichtsmodelle den Agrarsektor in aggregierterer Form abbilden als die meisten partiellen Gleichgewichtsmodelle. Eine Ausnahme hiervon stellt GTAP dar, das eine relativ detaillierte Abbildung des agrar- und ernährungsökonomischen Sektors erlaubt. Dennoch bieten partielle Modelle eine höhere Detailtiefe in der Disaggregation der agrar- und ernährungswirtschaftlichen Sektoren. Um die Anwendungsbereiche der allgemeinen Gleichgewichtsmodelle näher zu beleuchten, erscheint es daher interessant, empirische Beispiele auf der Basis von vergleichbaren partiellen und allgemeinen Gleichgewichtsmodellen durchzuführen. Eine Möglichkeit hierzu bietet GTAP, das als allgemeines Standard-GTAP-Modell und in einer partiellen Variante auf die Fragestellung einer internationalen Handelsliberalisierung und einer sektorspezifischen Liberalisierung der EU-Agrarpolitik angewendet wird. Die Ergebnisse dieses Vergleichs zeigen, daß die allgemeine Variante des GTAP-Modells durch Berücksichtigung von Ressourcenbeschränkungen und Interdependenzen insbesondere bei Analysen Vorteile bietet, die Veränderungen in den politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Volkswirtschaften (z.B. Analysen zur Umsetzung von WTO-Beschlüssen, regionale Integration) quantitativ betrachten. Die partielle Variante des GTAP-Modells bietet demgegenüber eine vergleichbare Qualität der Ergebnisse in der Analyse von sektorspezifischen Politiken, die in ihren Auswirkungen auf den Agrarsektor beschränkt bleiben. Zudem stellen partielle Gleichgewichtsmodelle geringere Anforderungen an die Datenbasis, die sich auch in der Modellstruktur wiederspiegeln. Partielle Gleichgewichtsmodelle bieten daher eine höhere Flexibilität und kürzere Reaktionszeiten bei der Anpassung auf aktuelle Fragestellungen. Internationale, gesamtwirtschaftliche und sektorspezifische agrarökonomische Fragestellungen können in Analysen jedoch kaum getrennt betrachtet werden. Als Fazit bleibt daher festzuhalten, daß allgemeine Gleichgewichtsmodelle sich sehr gut für den Einsatz in der agrarökonomischen Forschung eigenen. Es wäre jedoch von Vorteil, wenn dieser Modelltyp durch Einbindung in einen Modellverbund ergänzt wird.
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