Die Märkte für Getreide, Ölsaaten und Kartoffeln

Friedrich Uhlmann

Published: 08.01.2003  〉 Heft 1 (von 8) 2003  〉 Resort: Article 
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ABSTRACT

Die Märkte für GetreideWeder im Jahr 2000 noch im Jahr 2001 erreichten die Weizenernten den Umfang des globalen Verbrauchs. In der Hoffnung auf steigende Preise haben die Erzeuger in der EU, in den USA, in Argentinien und Indien mit einer Ausdehnung der Anbauflächen reagiert. Ungünstige Aussaatbedingungen führten zu einer Einschränkung des Anbaues in Kanada und Nordafrika. Auf Grund der größeren Anbauflächen konnte im ersten Quartal 2002 von einer Weltweizenernte ausgegangen werden, die deutlich über derjenigen des Vorjahres liegen würde. Diese optimistischen Erwartungen haben sich im Lauf der Vegetationsperiode nicht erfüllt. Statt eines Zuwachses von 15 Mill. t muss zum Jahresende ein Rückgang in gleicher Höhe angesetzt werden. Langanhaltende Trockenheit ist der Grund für Missernten in Kanada und Australien. In Russland und der Ukraine stehen erneut große Weizenernten zur Verfügung, die auf günstige Witterungsverhältnisse aber auch auf eine verbesserte Versorgung mit Betriebsmitteln zurückzuführen sind. Auch für Futtergetreide mussten die ursprünglichen Schätzungen im Laufe der Vegetationsperiode zurückgenommen werden. Nachdem der Internationale Getreiderat (IGC) ursprünglich eine Ernte von 911 Mill. t erwartet hatte, revidierte er seine Schätzungen kontinuierlich nach unten. Ende November 2002 wurde die Futtergetreideernte nur noch auf 877 Mill. t beziffert. Sie wird damit deutlich geringer als im Vorjahr ausfallen. Der Rückgang der Getreideernten konzentriert sich auf die entwickelten Länder, zu denen die wichtigsten Exportländer zu zählen sind. Die Entwicklungsländer haben mit Ausnahme von Reis Ernten einbringen können, die dem Vorjahresumfang entsprechen. Die Weltmarktnachfrage nach Getreide hält sich in Grenzen, trotz des Wirtschaftswachstums in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Da zudem mit einem kräftigen Preisanstieg an den internationalen Getreidemärkten gerechnet werden muss, wird seitens der FAO und des IGC für 2002/03 von einem deutlichen Rückgang des Welthandels mit Weizen und einem stagnierenden Handel mit Futtergetreide ausgegangen. Die Einfuhren der EU haben in 2001/02 durch Bezüge aus dem Schwarzmeerraum kräftig zugenommen. So waren die Weizenlieferungen aus der Ukraine und Russland nach Aufhebung der Zusatzzölle für diese Herkünfte bei zugleich günstigen Angebotspreisen auf knapp 10 Mill. t gegenüber nur gut 3 Mill. t im Vorjahr angewachsen. Dabei handelte es sich überwiegend um Futterweizenqualitäten. Die traditionellen Exportländer haben außerdem Brot- und Qualitätsweizenlieferungen einschließlich Hartweizen in größerem Umfang in die EU geliefert, denn nur so konnte die Nachfrage, die nach den kleinen Ernten entstanden war, gedeckt werden. Auch diese Bezüge wurden durch die Null-Zollsätze für höherwertigen Weizen begünstigt. Die traditionellen Weizenexporteure (Argentinien, Australien, Kanada, EU und USA) haben weiter Marktanteile verloren. Weizen aus der Ukraine und Russland wurde drängend angeboten. Indien, Pakistan und einige Balkanländer konkurrierten ebenfalls mit den traditionellen Exportländern. Während 2000/01 noch 87 % der gesamten Ausfuhren auf die traditionellen Exportländer entfallen sind, waren es 2001/02 nur noch 76 %. Diese Entwicklung dürfte sich 2002/03 fortsetzen, denn das Angebot Kanadas und Australiens ist durch die kleinen Ernten begrenzt und der Rückgriff auf Reserven erscheint nicht mehr möglich. Trotz des deutlichen Rückgangs der Maisernte in den USA zeichnet sich hier für 2002/03 ein Anstieg der Futtergetreideausfuhren ab. Dies ist nur durch eine vom Preisanstieg ausgelöste Einschränkung der Maisverfütterung in den USA und einen kräftigen Rückgriff auf die Reserven möglich. Sollten sich diese Schätzungen realisieren, würde der Bestand am Jahresende auf das notwendige Minimum zur Erreichung des Anschlusses an die neue Ernte sinken. Mit dem rückläufigen Produktionsvolumen der vergangenen Jahre wurden steigende Getreidepreiserwartungen verbunden. Abgesehen von den Exportpreisen für Hartweizen, erhöhte sich das Niveau der Weizen-, Gersten- und Maispreise seit der Ernte 1999 bis Mitte 2002 aber nicht wesentlich. Die Situation änderte sich an den internationalen Getreidemärkten erst Mitte 2002. Die optimistischen Ernteprognosen wichen pessimistischen Schätzungen der Versorgungssituation in Nordamerika und Australien. Die voraussichtliche Angebotsverknappung wurde immer deutlicher. Innerhalb weniger Wochen zogen die Notierungen für Weizen und Mais kräftig an. Betroffen waren sämtliche Qualitäten. Die Gerstennotierungen folgten erst mit Verzögerung. Die im Rahmen der Uruguay-Runde getroffenen Vereinbarungen zur Marktöffnung haben zu unerwarteten Versorgungsströmen auf dem EU-Getreidemarkt geführt. Obwohl in den defizitären südlichen Mitgliedsländern ein hohes Preisniveau für Getreide herrschte, reichte die in der Getreidemarktordnung vorgesehene und im Rahmen der WTO vereinbarte Gemeinschaftspräferenz von 55 % des Interventionspreises nicht aus, um ausreichend französisches oder deutsches Getreide in die Defizitregionen am Mittelmeer zu lenken. Erfassungs- und Transportkosten innerhalb der EU sind so hoch, dass die defizitären Veredlungsregionen Spaniens oder Italiens bevorzugt durch Getreidelieferungen aus Drittländern versorgt wurden. Um der Gemeinschaftspräferenz in der EU Geltung zu verschaffen, bieten sich zwei Möglichkeiten an: Einbeziehung der Exportpreise des Schwarzmeerraumes in die Ermittlung der variablen Getreidezölle und Einführung von Zollquoten. Die Umwandlung der variablen Zölle in Zollquoten wird von den Befürwortern der Gemeinschaftspräferenz bevorzugt. Die Verhandlungen hierzu zeigen erneut, dass die sich Begrenzung des Marktzuganges gegen den Willen der Handelspartner nur mit hohen Zugeständnissen verwirklichen lässt. WTO-Mitglieder haben dabei eine wesentlich stärkere Verhandlungsposition als Nichtmitglieder. Wie die Zugeständnisse der EU zeigen, dürfte das beabsichtigte Ziel, die EU-Importe mengenmäßig so zu beschränken, dass sie keine Marktstörungen hervorrufen, nach der Ausweitung der Importe in den letzten beiden Jahren nicht erreicht werden. In der EU erfolgte die Getreidebestellung im Herbst 2001 und im Frühjahr 2002 unter wesentlich leichteren Bedingungen als in den Vergleichszeiträumen des Vorjahres. Insbesondere konnte die Winterung, die in der Regel ein höheres Ertragspotential als die Sommerung aufweist, ausgedehnt werden. Flächenerweiterungen werden u.a. aus Frankreich, Italien, Spanien und dem UK gemeldet. Deutschland und Griechenland weisen eine kleinere Getreidefläche als 2001 aus. Die Ausdehnung der Getreideflächen konzentriert sich auf Weich- und Hartweizen. Dagegen sind Gerste, Körnermais und Roggen in geringerem Umfang angebaut worden. Der durchschnittliche Ertrag ist höher anzusetzen als im Vorjahr, da insbesondere in Frankreich und im UK überdurchschnittlich gute Ernten eingefahren wurden. Die EU-Getreideernte 2002 wird auf 209 Mill. t geschätzt gegenüber 200 Mill. t im Vorjahr. Das bisherige Rekordergebnis aus dem Jahr 2000 wird damit allerdings nicht erreicht. Die deutschen Erzeuger hatten im Herbst 2001 den Rapsanbau bei günstigen Preiserwartungen kräftig ausgeweitet. Dies konnte nur zu Lasten der Getreidefläche geschehen. Unter günstigen Aussaatbedingungen wurde die Winterung weniger stark eingeschränkt als die Sommerung. Die Weizen- und Triticalefläche wurde erweitert, während weniger Wintergerste und Roggen ins Feld gestellt wurden. Für die Ertragsbildung herrschten während der Vegetationsperiode keine optimalen Bedingungen. Der Winter und das Frühjahr waren durch hohe Niederschläge gekennzeichnet, die die Bestellungs- und Pflegearbeiten behindert haben. So lagen die Erträge der Wintergerste, die noch vor den hohen Niederschlägen des Juli und August eingebracht werden konnte, deutlich unter den Vorjahreswerten. Für Getreide insgesamt wird der durchschnittliche Ertragsrückgang auf über 11 % geschätzt. Abgesehen von Körnermais ist die Erzeugung sämtlicher Getreidearten in 2002 niedriger anzusetzen als im Vorjahr. Statt einer Getreideernte, die zunächst an das Volumen des Vorjahres heranreichen sollte, wurden nach dem Ergebnis der vorläufigen Ernteschätzung nur 43,3 Mill. t Getreide eingebracht. In 1996 war letztmalig eine kleinere Ernte angefallen. Überdurchschnittlich stark waren die Einbußen bei Wintergerste und Roggen. Der EU-Getreidemarkt 2001/02 war durch eine kleine Ernte, den Anstieg der Importe und den Rückgang der Exporte geprägt. Der Selbstversorgungsgrad für Getreide insgesamt sank deutlich und erreichte mit gut 104 % ein seit Jahren nicht mehr beobachtetes niedriges Niveau. Nach der Ernte 2002 ist mit veränderten Versorgungsströmen innerhalb der EU zu rechnen. Es steht eine um mindestens 10 Mill. t größere Weizenernte zur Verfügung. Im Gegensatz zum Vorjahr weisen die deutschen Herkünfte eine schlechtere, die französischen aber eine deutlich bessere Qualität auf. Nur wenn die Maßnahmen zur Importbegrenzung noch innerhalb des WJ eingeführt werden können, ist mit einem Rückgang der Weizenimporte aus dem Schwarzmeerraum zu rechnen, da in der ersten Hälfte des WJ bereits umfangreiche Importe getätigt worden sind. Bei kräftig angestiegenem Preisniveau an den internationalen Weizenmärkten sind keine Exporterstattungen erforderlich, so dass mit einer deutlichen Ausdehnung der Exporte gerechnet werden muss. Falls der französische Weizenmarkt nicht durch Exporte entlastet werden kann, können umfangreiche Andienungen an die Intervention anfallen. Die Verfütterung von Weizen wird durch die geschädigten Qualitäten in Deutschland und im UK, die zu niedrigen Preisen am Markt verfügbar sind, sowie durch die Futterweizenimporte gefördert. Der SVG ist wieder deutlich über 100 % anzusetzen. Mit einem geringfügigen Abbau der Roggenüberschüsse kann nach der kleinen Ernte 2002 gerechnet werden. Das niedrige Preisniveau für Roggen begünstigt die Verfütterung, zumal hohe Anteile der deutschen Roggenernte nicht interventionsfähig sind. Der Anstieg der Gerstenernte ermöglicht Zunahmen bei der Verfütterung und beim Export. Insgesamt betrachtet, wird der EU-Getreidemarkt 2002/03 gegenüber dem Vorjahr durch eine Zunahme der Überschüsse, durch eine Ausdehnung des Getreideexports, aber konstanten bis rückläufigen Importen und durch einen Anstieg der Getreideverfütterung geprägt. Da die Roggenverfütterung unter verschiedenen Hemmnissen leidet und Roggen am internationalen Getreidemarkt nur in geringem Ausmaß zu sehr niedrigen Preisen nachgefragt wird, führt der einheitliche Interventionspreis für Getreide zu einem kontinuierlichen Anschwellen der staatlich kontrollierten Roggenüberschüsse. Untersuchungen zeigen, dass alternative Preisstützungen unter Beibehaltung der Intervention (z.B. Beschränkung auf eine Intervention zum Ende des WJ, Senkung des Interventionspreises um etwa 10 %) nicht ausreichen, um den EU-Roggenmarkt ins Gleichgewicht zu bringen. Die EU-Kommission befürchtet, dass sich die Überschussproblematik durch die Osterweiterung verschärft, und schlägt dementsprechend die Abschaffung der Intervention vor. An einem Roggenmarkt ohne Preisstützung käme es zu Preissenkungen, die gegenüber gegenwärtigen Verhältnissen zu einer verringerten Erzeugung und zu einer deutlich höheren Verfütterung von Roggen führen. Wie der Durchschnitt der Notierungen an den deutschen Börsen zeigt, konnten sich die Großhandelspreise für Brotweizen nach den Ernten 2000 und 2001 deutlich vom Interventionspreisniveau absetzen. Selbst der durchschnittliche Erzeugerpreis für Weizen lag noch über den Interventionspreisen. Nach der Ernte 2002 zeichnet sich eine veränderte Situation am deutschen Weizenmarkt ab. Obwohl der Anteil der Brotweizenqualitäten an der deutschen Ernte sehr niedrig war und die Interventionspreise nicht weiter gesenkt worden waren, lagen die Erzeugerpreise für Brotweizen während der Ernte deutlich niedriger als in den beiden Vorjahren. Der folgende saisonübliche Anstieg der Marktpreise ist jedoch stärker ausgefallen als 2000 und 2001. Der Einfluss des Weltmarktes auf den deutschen und europäischen Weizenmarkt ist in der ersten Hälfte von 2002/03 gering geblieben. Während die Exportpreise in den USA und die davon abgeleiteten Erzeugerpreise kräftig angestiegen sind, können sich die Weizenpreise in Deutschland nur geringfügig vom Interventionspreisniveau lösen. Der EU-Weizenmarkt scheint immer noch von den Weltmarkteinflüssen abgeschirmt zu sein. Einerseits ist die EU-Kommission bei den herrschenden Weltmarktpreisen nicht bereit, beim Export von Weizen Erstattungen zu gewähren, und andererseits erweisen sich die Angebote der Schwarzmeerregion in Nordafrika, aber auch in Brasilien als wettbewerbsfähiger.
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Dr. Friedrich Uhlmann, Braunschweig
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