Biogasproduktion in Deutschland – Sollte die energetische Nutzung von Wirtschaftsdünger explizit gefördert werden?

Jochen Thiering, Enno Bahrs

Published: 01.12.2011  〉 Volume 60 (2011), Number 4, 259-275  〉 Resort: Article 
Submitted: N. A.   〉 Feedback to authors after first review: N. A.   〉 Accepted: N. A.

ABSTRACT

Für den politisch gewünschten Ausbau der Nutzung regenerativer Energien wird eine Steigerung der Biogasproduktion insbesondere auf Basis landwirtschaftlicher Reststoffe wie Wirtschaftsdünger als vorteilhaft angesehen. Obwohl dieser Reststoff produktionskostenfrei zur Verfügung steht, erfolgt in Deutschland die Biogaserzeugung vermehrt aus speziell dafür angebauten Energiepflanzen, während der überwiegende Teil des Wirtschaftsdüngerpotenzials bislang ungenutzt bleibt. Vor diesem Hintergrund wird die Förderwürdigkeit einer energetischen Wirtschaftsdüngernutzung erörtert. Die Ergebnisse auf Basis von Literaturauswertungen und Investitionsrechnungen zeigen, dass die Vermeidung von Treibhausgasen mit Biogas aus Wirtschaftsdünger sowie seine Energieeffizienz im Vergleich mit Biogas aus Silomais ein hohes Potenzial aufweist und geringere externe Kosten verursachen kann. Wirtschaftsdüngertransporte weisen dabei einen hohen Einfluss auf die THG-Vermeidungskosten auf, wobei geringe Transportentfernungen in Kauf genommen werden können. Einzelbetrieblich bestehen jedoch häufig wirtschaftliche Hemmnisse für die Verwendung von Wirtschaftsdünger im Vergleich zu Energiepflanzen. Mit dem Wirtschaftsdüngeranteil steigen vielfach die Stromgestehungskosten, insbesondere, wenn der Reststoff transportiert werden muss oder gesonderte Kapazitäten für Gärrestlagerungen aufgebaut werden müssen. Insgesamt erscheint vor diesem Hintergrund eine Förderung der energetischen Wirtschaftsdüngernutzung im Allgemeinen sinnvoll. Die im Rahmen des EEG 2012 vorgenommene Entkopplung des Wirtschaftsdüngereinsatzes von anderen Substraten kann grundsätzlich als sinnvoll bezeichnet werden, damit die aufgrund der Wirtschaftsdüngerförderung durch das EEG 2009 entstehenden Effekte im Bodenmarkt verringert werden. Allerdings bleibt fraglich, ob mit dem EEG 2012 eine hohe Ausnutzung des vorhandenen Potenzials an Wirtschaftsdünger induziert werden kann.
CONTACT AUTHOR
DR. JOCHEN THIERING
Universität Hohenheim
Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre
Schloß, Osthof-Süd, 70599 Stuttgart
E-Mail: i410B@uni-hohenheim.de
Download Cover
SUBSCRIBER CONTENT

This is a free article. You can open it here.

RELATED ARTICLES

SHARE THIS ARTICLE

Menü