1 Aspekte gemeinsamer Agrarpolitik 2000

Dirk Manegold

Published: 01.01.2001  〉 Heft 1/2000  〉 Resort: Article 
Submitted: N. A.   〉 Feedback to authors after first review: N. A.   〉 Accepted: N. A.

ABSTRACT

In Heft 1, der Zeitschrift "Agrarwirtschaft" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt/Main) werden von Mitarbeitern des Instituts für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft Braunschweig (FAL), der Zentralen Markt- und Pressestelle (ZMP), Bonn und der Forschungsanstalt Geisenheim Aspekte der gemeinsamen Agrarpolitik und die Situation auf den Welt-, EU- und deutschen Agrarmärkten dargestellt. Dabei wird auch ein Ausblick auf das kommende Jahr gegeben.EU-Osterweiterung und WTO-Verhandlungen - wichtige Themen des Jahres 2000Zu den möglichen Auswirkungen der EU-Erweiterung heißt es in dem Jahresrückblick u.a.: Generell lässt sich feststellen, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass die Landwirte der bisherigen Mitgliedstaaten insgesamt spürbar unter der Konkurrenz der Beitrittsländer zu leiden hätten - vorausgesetzt, die gegenwärtigen Agrarmarktregelungen werden einigermaßen konsequent angewendet. Das heißt, die Erzeugerpreise werden auch in der erweiterten EU, wie in den Marktordnungen vorgesehen, auf dem politisch vorgegebenen Niveau (bzw. knapp darunter) stabilisiert. Die bereits jetzt als problematisch geltenden EU-Märkte für Futtergetreide, Milch und Rindfleisch werden durch die Osterweiterung sicherlich nicht entlastet, sondern sie erfordern - weitgehend unabhängig vom Gebietsstand der EU - bereits auf mittlere Sicht weitere Politikänderungen. Niedrigere Faktor- und Betriebsmittelpreise ergeben zwar gewisse Vorteile für die Beitrittsländer, doch werden diese Margen zunächst noch durch niedrigere Produktivität und Markteffizienz aufgezehrt. Produktivität und Inputpreise werden nicht unabhängig von einander steigen, so dass erst längerfristig bei zunehmender Anpassung der Wirtschaft mit einem (mehr oder weniger strukturbedingten) Wettbewerbsvorteil der mittel- und osteuropäischen Marktproduktion zu rechnen sein wird.
Bei den anstehenden WTO-Verhandlungen geht es der EU unter dem Begriff "nicht-handelsbezogene Anliegen" u.a. darum, dass die Landwirtschaft nicht durch Handelsliberalisierung ihrer Fähigkeit beraubt wird, öffentliche Güter bereitzustellen (Multifunktionalität der Landwirtschaft). Das heißt, die möglichst handelsneutrale Ausrichtung eines finanziellen Entgelts für die Erbringung erwünschter externer Leistungen der Landwirtschaft soll für WTO-konform erklärt und vor rechtlichen Schritten und Retorsionsmaßnahmen seitens anderer WTO-Mitglieder geschützt werden. Das Spektrum möglicher externer Leistungen, die im Zuge regulärer Agrarproduktion erbracht werden, ist allerdings äußerst vielfältig und die Festlegung von Kompensationen wäre weitgehend eine Ermessensfrage. Neue Wettbewerbsverzerrungen als Folge derart begründeter Zahlungen könnten im nationalen wie internationalen Rahmen nicht ausgeschlossen werden. Dies erklärt, warum der gesamte Problembereich der Multifunktionalität vor allem von anderen großen Agrarexportländern und von vielen Entwicklungsländern sehr kritisch betrachtet wird. Daher ist zu erwarten, dass dieses Thema auch in den 2001 beginnenden Verhandlungen einen Hauptstreitpunkt darstellen wird.
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Dirk Manegold, FAL-MA, Bundesallee 50, D-38116 Braunschweig
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